Zum Thema „Neues Gotteslob“ – GotteslobLeaks für geduldige Lämmer?

Die im Netz durch Indiskretion kursierenden und den skandalösen bischöflich verantworteten Informationsmangel etwas ausgleichenden Gesamtverzeichnisse des zukünftigen Gotteslobs verwirren den unkundigen Betrachter, denn die wichtigen Daten werden häufig nicht beachtet. So verhält es sich wohl auch mit einem weiteren jüngst in Umlauf gekommenen PDF-Dokument aus 2010. Dazu lässt sich freilich anmerken, dass die Endredaktion des Stammteils erst in 2011 auf den Weg kam und daraufhin in Rom zur Vorlage gebracht wurde. Das – sich dem Vernehmen nach auf dem Weg befindliche – vatikanische Zensoren-Endergebnis wäre von dieser Endredaktion ebenfalls zu unterscheiden.

Gleichwohl müsste bereits durch die genannte Liste deutlich werden, dass Tendenzen feststellbar sind. Gewiss ist es in einem gewissen Rahmen nachvollziehbar, Gesänge wie „„Mein Hirt ist Gott der Herr““, „“Singt dem König Freudenpsalmen““ oder auch „Dich König, loben wir““ und „“Dich liebt, o Gott, mein ganzes Herz““ nunmehr im Stammteil zu sehen, da sie 1975 oft nüchteren Gesängen, so auch pseudo-modalen Konstruktionen den Vortritt lassen mussten und daraufhin in viele Diözesananhänge gelangten. Das alles ist ein zyklisch zu verstehendes Phänomen.

Bei den weiteren wohl aufgenommenen – milieuspezifisch und volksreligiös zu verstehenden – Liedern à la „“Jesus, dir leb ich““, „“Meerstern, ich dich grüße““, „“Segne, du Maria““ nebst den „Grüssauer Marienrufen“ horcht man schon etwas mehr auf. Dass jedoch u.a. grenzwertige und häufig unliturgisch genutzte Retro-Schmankerl wie z.B. drei Teile der sog. Deutschen Messe von Franz Schubert oder „Es jubelt aller Engel Chor“ in den Bestand aufgenommen werden sollen, verwundert doch arg. Ob aber beispielsweise das verklausulierte – nennen wir es – katholische NS-Widerstandslied „Herz Jesu, Gottes Opferbrand“ mit seiner zeitbedingt metaphorischen Blut- und Schuld-Archaik im neuen Stammteil gut aufgehoben ist, mag hier erstaunt hinterfragt werden.

Vielleicht könnte man dieses spürbare Rückwärts-Ansinnen insgesamt noch als Versuch verstehen, möglichst viele, also auch die ältere Christen in den südlichen Diözesen oder unter Umständen gar Vulgärtraditionalisten mit ins Boot zu nehmen. Wenn jedoch die Oosterhuis-Lieder und/oder einige der neueren Gesänge nach einer möglichen römischen Zensur fehlen sollten, könnte auch das traditionell wirkende Additum aus dem evangelischen Bereich, der Portion NGL neben etwas Lobpreis, Taizé & Co. an dem Eindruck einer vermurksten Pluriformität nichts ändern.

Summa summarum: Die unglaubliche Informationsverweigerung der Bischöfe passt zum Wagenburg-Trend einer autoritären Klerikerkirche. Warten wir als Lämmer und hoffentlich nicht belämmert geduldig ab, was denn die Hirten in unser aller Angelegenheit „Gott loben, das ist unser Amt“ in bereits gedruckter Form verkünden mögen. Die Beibehaltung der Oosterhuis-Lieder bleibt der signalhafte Lackmustest einer vitalen Kirche des 21. Jahrhunderts, denn bei Oosterhuis begegnen sich Innovation und Qualität. Eine Entwarnung in Sachen Gotteslob & Oosterhuis wäre erst angesagt, wenn man über wirklich verlässliche Daten verfügen kann. Das ist derzeit nicht der Fall.  (mpk/August 2012)

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