Offener Brief an Dr. Konrad Zdarsa

Offener Brief von Prof. Dr. Norbert Scholl

an den Bischof von Augsburg Dr. Konrad Zdarsa

13.7.2012

Sehr geehrter Herr Bischof!

Aus der neuesten Nummer der Herder-Korrespondenz und aus der Presse musste ich entnehmen, dass Sie ohne Rücksprache mit den betroffenen Gemeinden und den Pfarrern Ihrer Diözese im Eiltempo einen tiefgreifenden Strukturwandel verordnet haben, der bereits zu einer äußerst angespannten Stimmung im Bistum geführt hat und sich noch weiter verschlechtert. Der innerkirchliche Dialog wird vermieden. Es scheint fast, dass der Bischof „die größten Anstrengungen unternimmt, um selbst die treuesten Anhänger zu vergraulen.“ So H. Heinz in der Herder-Korrespondenz (7/2012, 360) www.herder-korrespondenz.de/aktuelle_ausgabe/artikel/index_html?onlstrnr=504&beitrag_nr=3420731

Das alles geschieht in einem Augenblick, in dem die deutschen Bischöfe zu einem Gesprächs- und Dialogprozess aufgerufen haben. Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, sagte dazu: „Alle zentralen Themen sollen bei diesem mehrjährigen Prozess Raum finden. Dabei ist es wichtig, dass der Begriff der Communio, der Gemeinschaft, wieder deutlich wird: Alle Getauften und Gefirmten sind Zeugen der Botschaft des Herrn.“ Kardinal Marx fügte hinzu, dass Dialog nicht bloß ein Tun sei, sondern auch Kennzeichen einer inneren Haltung. Glauben Sie, sehr geehrter Herr Bischof, dass Ihre Vorgehensweise in der Diözese Augsburg dieser Maßgabe entspricht?

Ich habe längere Zeit in der DDR gelebt. Durch Ihr Vorgehen fühle ich mich in fataler Weise an diese unseligen Jahre erinnert. „Volksdemokratie“ hieß das Ganze, und war in Wirklichkeit die Diktatur einer kleinen, starrsinnigen Altmännerriege, die sich hinter ihren Mauern in Wandlitz verschanzt und den Kontakt zur Außenwelt verloren hatte. Möglicherweise haben Sie, sehr geehrter Herr Bischof, die Erfahrungen in dieser Diktatur noch nicht ganz aufgearbeitet.

Ein an den Vorgaben des Neuen Testaments orientierter Bischof sollte „nicht Herr über den Glauben“ sein, sondern „Helfer zur Freude“ (2 Kor 1,24). Schon Cyprian von Karthago hat den Grundsatz in seine Kurzformel zum Bischofsamt eingetragen: „Nichts ohne den Bischof, nichts ohne den Rat der Priester, nichts ohne den Konsens des Volkes.“ Und Augustinus schreibt über sein Bischofsverständnis: „Mit euch bin ich Christ. Für euch bin ich Bischof.“

Bei der Predigt zu seinem 10jährigen Bischofsjubiläum sagte der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst: „Das ist unsere gemeinsame Aufgabe als Christen, (…) zu helfen, zu heilen, zu trösten und vor Angst, Untergang und Not zu retten. Dazu sind wir berufen als einzelne Personen, als ganze Kirche. (…) Die Amtsträger üben ihr Amt nicht über die anderen aus, sondern für die anderen.“ Ob Sie diese Worte bei Ihrem Jubiläum auch in den Mund nehmen könnten?

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Norbert Scholl

PS.: Zur Person: Ich bin Jahrgang 1931 und war von 1969 bis 1996 Professor für kath. Theologie an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

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