Informationen zu einer denkmalgeschützen Orgel von 1967

Beckerath Orgel Hamm Pauluskirche 2

Informationen zur denkmalgeschützen Rudolf-von-Beckerath-Orgel (1967) der Pauluskirche zu Hamm/Westfalen

Die Alleinstellungsmerkmale der Hammer Beckerath-Orgel bringt Kirchenmusiker Heiko Ittig (seit 2007 Pauluskantor) mit folgenden ausgewogenen Worten auf den Punkt: „Bei der Orgel in der Pauluskirche Hamm handelt es sich um ein Instrument aus der Werkstatt Rudolf von Beckerath, erbaut 1967. Es besitzt 39 Register auf 3 Manualen und Pedal. Dabei ist sie als Universalorgel konzipiert, ohne eine neobarocke Klanggestaltung zu leugnen. Dank der Intonierkunst Rudolf von Beckeraths mit dem durchaus warmen und grundtönigem Charakter ist aber neben der Darstellung der barocken Orgelmusik insbesondere auch die Interpretation Neuer und romantischer Werke möglich.“

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Evangelische Pauluskirche/Hamm

Rudolf-von-Beckerath-Orgel (III/39 – 1967 – denkmalgeschützt)

Hauptwerk (C-g3)

Quintadena 16
Prinzipal 8
Spielflöte 8
Oktave 4
Koppelflöte 4
Nasat 2 2/3
Flachflöte 2
Mixtur 5f  1 1/3
Zimbel 3f  1/2
Trompete 8

Rückpositiv (C-g3)

Metallgedackt 8
Prinzipal 4
Rohrflöte 4
Oktave 2
Gemsquinte 1 1/3
Scharf 4f  2/3
Sesquialtera 2f
Dulzian 16
Bärpfeife 8
Tremulant

Schwellwerk (C-g3)

Rohrflöte 8
Gemshorn 8
Violflöte 4
Blockflöte 4
Nasat 2 2/3
Gemshorn 2
Terz 1 3/5
Septime 1 1/7
Sifflöte 1
Mixtur 5f  1′
Oboe 8
Tremulant

Pedal (C-f1)

Prinzipal 16
Oktave 8
Rohrbass 8
Metallflöte 4
Nachthorn 2
Mixtur 5f  2′
Posaune 16
Trompete 8
Schalmei 4

Koppeln und Spielhilfen:

HW+RP, HW+SW, P+HW, P+RP, P+SW

mechanische Spiel- und elektrische Registertraktur; urspr. 8 elektr. Setzer

Im Zuge der umfassenden Instandsetzung durch die Fa. Beckerath in 2008 wurde eine neue Setzeranlage mit 4000 Speichermöglichkeiten installiert.

Zum Vergleich: St. Michael’s Church (Episcopal) New York – Rudolf von Beckerath (III/55 – 1967)

Hier klicken: MP3-Hörbeispiele – Pauluskirche Hamm/Westfalen – Rudolf-von-Beckerath (III/39 – 1967)

orgelrenovierung-2008-pauluskirche-hamm-beckerath-orgel-1967-screenshot.jpg

Hier oder auf das Bild klicken: Detailbilder der Orgelrenovierung

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Zur Denkmalwürdigkeit der Beckerath-Orgel (aus der Meldung von www.Orgeljournal.de in 03/2009)  

„Der erste Eindruck ist sehr gut“, sagt Manfred Schwartz, amtlicher Orgelsachverständiger der Evangelischen Landeskirche Westfalen. Schwartz nahm gestern die Orgel der Pauluskirche in Augenschein, die in den vergangenen drei Monaten restauriert wurde. „Wir legen Wert auf den Begriff Restauration“, sagt der Gutachter. Denn die 1967 gebaute Orgel wurde bislang immer nur gestimmt, in diesem Jahr stand erstmals eine Generalüberholung an. „Und dabei sollte so viel der originalen Substanz erhalten bleiben wie möglich“, so Schwartz. … Übrigens soll die Orgel, die stilistisch der deutschen Orgelbewegung zuzuordnen ist und eine Abkehr zur romantischen Epoche darstellt, unter Denkmalschutz gestellt werden. „Die Orgel ist zwar noch nicht sehr alt, aber in ihrer Art nahezu einzigartig“, sagt Schwartz.“ (Westfälischer Anzeiger vom 19.12.2008)

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Innovative Leitmotive der Orgelbewegung vs. Stilmoden heutiger Orgeln

„Ich glaube, das Kernproblem bei der Beantwortung der Frage „wann endete die Orgelbewegung?“ ist, auf welche Weise man das Wort „Orgelbewegung“ versteht. Meint man eine von bestimmten Leuten getragene orgelbaupolitische Gruppierung, so muß man die Grenze wohl um 1950-60 ziehen, da damals

1. das ursprüngliche Personal wechselte: 1958 ging Wilibald Gurlitt in Ruhestand, 1963 starb er; Hans Henny Jahnn starb 1959, wandte sich aber schon nach seiner Rückkehr 1950 primär nicht-orgelbaulichen Fragen zu wie der westdeutschen Wiederbewaffnung und der atomaren Bedrohung der Menschheit. Christhard Mahrenholz lebte zwar bis 1980, ging aber 1953 zum Landeskirchenamt Hannover und war fortan primär mit theologischen Fragen beschäftigt. Günther Ramin starb 1956. An ihre Stelle trat eine jüngere Generation: Walter Supper, Helmut Bornefeld, Ernst Karl Rössler usw.

2. Die Rahmenbedingungen änderten sich nach 1950: Aus der lockeren, informalen Kooperation von Gleichgesinnten wurde durch die Gründung der Gesellschaft der Orgelfreunde eine Institution. Außerdem eroberten die von der Orgelbewegung geprägten Leute allmählich die einflußreichen Orgelrevisorenposten und Lehrstühle an den Musikhochschulen. Die „Bewegung“ hatte damit gesiegt und sich selbst überflüssig gemacht.

Aber natürlich wirkten die Gedanken der Orgelbewegung …“  mehr

 

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